Zum Hauptinhalt springen

Im Dezember 2027 endet die reguläre Laufzeit des Förderprogramms Kreatives Europa. Wir haben die Hintergründe und den aktuellen Stand der Verhandlungen für das Nachfolgeprogramm AgoraEU für Sie zusammengefasst. Um auch in Zukunft über die nächsten Verhandlungsschritte auf dem Laufenden zu bleiben, folgen Sie gerne unseren Kanälen.

 

Aushandlung des Mehrjährigen Finanzrahmens

Alle sieben Jahre legt die EU im Mehrjährigen Finanzrahmen (MFR) fest, wofür sie in den nächsten sieben Jahren wie viel Geld ausgeben wird. Gerade befinden wir uns im Zeitraum 2021-2027 und damit laufen aktuell die Verhandlungen zum nächsten MFR 2028-2034. Neben der komplexen Frage nach der Verteilung von Budgets ist damit auch immer eine Neuverhandlung der EU-Förderprogramme auf inhaltlicher Ebene verbunden. Und damit steht auch das Förderprogramm Kreatives Europa mit seinen drei Teilprogrammen KULTUR, MEDIA und Cross Sektor auf dem Prüfstand.

Diese Aushandlungen laufen weitgehend nach den immer selben Regeln ab: Die EU-Kommission besitzt das Vorschlagsrecht und arbeitet einen Entwurf für die Verordnung aus. Auf dieser Grundlage erarbeiten der Rat der EU, also die Vertreter der EU-Mitgliedsländer, und das Europäische Parlament eigene Vorschläge. Im sogenannten Trilog der drei Institutionen muss dann ein Kompromiss gefunden werden. Die gemeinsam abgestimmte und schließlich vom Rat und dem Parlament beschlossene Verordnung bildet dann die Grundlage für die Umsetzung eines Förderprogramms.

Bisherige Verhandlungen zu AgoraEU

Für Kreatives Europa legte die EU-Kommission einen ersten Entwurf im Juli 2025 vor. In diesem schlug sie vor, das Programm Kreatives Europa mit dem Programm Citizen, Equality, Rights and Values (CERV) unter dem Namen AgoraEU zusammenzulegen. AgoraEU soll mit einem Budget von 8,6 Milliarden Euro ausgestattet werden, wovon 1,8 Milliarden auf das Kulturförderprogramm Kreatives Europa KULTUR entfallen sollen. Dies würde einen deutlichen Aufwuchs gegenüber dem aktuellen Budget (805,9 Millionen Euro) bedeuten. Inhaltlich knüpft der Vorschlag für das Teilprogramm KULTUR stark an das aktuell laufende Förderprogramm an. Der Vorschlag der EU-Kommission enthielt allerdings nur eine kurze Bemerkung zur Fortführung nationaler Kontaktstellen, in der Aufgaben und Umfang nicht näher benannt wurden.

Inzwischen haben sowohl der Rat der EU wie auch das Europäische Parlament eigene Vorschläge vorgelegt. Am 5. Mai legte das Europäische Parlament einen Vorschlag zu AgoraEU vor, mit einem Gesamtbudget von 10,72 Milliarden Euro. Dieser verändert die vorgeschlagene Aufteilung der Kommission deutlich und teilt das Programm in sieben Teile auf. Darunter auch Kreatives Europa KULTUR sowie ein eigener Programmteil für die Förderung des Musiksektors. Für diese beiden Programmteile zusammen setzt das EU-Parlament ein Budget von 2,24 Milliarden Euro an. Innerhalb des EU-Parlaments wird im Herbst 2026 über die finale Fassung ihres Vorschlags abgestimmt.

Am 12. Mai einigte sich der Rat der EU. Sein Vorschlag greift die neue Programmarchitektur, wie von der EU-Kommission skizziert, auf. Er liefert aber zusätzliche Klarstellungen, u. a. zum Begriff des Kultur- und Kreativsektors und der Doppelnatur aus Eigenwert und wirtschaftlichem Beitrag der Kultur. Der Text des Rates stärkt außerdem die Aufgabe zukünftiger Kontaktstellen für die drei Programmteile von AgoraEU.

Ein Budgetvorschlag seitens des Rates erfolgte erst am 16. Juni. Dieser Vorschlag sieht für AgoraEU ein Budget von 8,23 Milliarden Euro vor. Damit liegt der Vorschlag des Rates nur geringfügig unter dem Vorschlag der Kommission, aber deutlich unter dem des Parlaments. Die Aufteilung der Summe über mögliche Programmbereiche enthält dieser Vorschlag des Rates nicht.

Wie es weitergeht

Im Sommer 2026 liegen somit Vorschläge der drei beteiligten Institutionen vor. Wie sich die spannende Frage um die Verteilung des Budgets entscheidet, aber auch, in welche Programmteile AgoraEU aufgeteilt sein wird, bleibt noch offen. Die Aushandlung im Trilog wird darüber Klarheit bringen, aber frühestens im Winter 2026 beginnen.