Mysteries & Drolls

Projektkoordination: Comune di Certaldo (IT)
Partner: Freies Theater Tempus fugit e.V. (DE) /// Asociación Cultural Maracaibo Teatro (ES) /// Festival of Fools Limited (UK) /// Stowarzyszenie Kulturalne Pro-Scenium (PL)

Förderbereich: Kleine Kooperationsprojekte
Fördersumme: 200.000 Euro
Förderzeitraum: November 2017 - November 2020

Beschreibung:
Das Projekt beschäftigt sich mit den Wurzeln des europäischen Theaters und seinen unterschiedlichen theatralen Ausprägungen. Im Fokus steht das Spiel auf offenen Plätzen, sowohl im sakralen als auch im profanen Kontext. Es werden alte Formen des Spiels und der Inszenierung untersucht, die im modernen Drama noch heute auftauchen, aber auch das gesucht, was verloren ging.
Das "Maracaibo Teatro" aus Elche (Spanien), das Theater "Proscenium" aus Gliwce (Polen), das "Freie Theater Tempus fugit" aus Lörrach (Deutschland), das "Festival of Fools", Belfast (UK) und das "Mercantia" Festival in Certaldo (Italien) gehen drei Jahre lang gemeinsam auf Recherche. Auf dem Programm steht der enge, gegenseitige Austausch durch wechselseitige Besuche und projektbezogenes Coaching. Am Ende der Zusammenarbeit stehen drei Inszenierungen, eine Polnische, eine Spanische und eine Deutsche, die 2020 an den beiden Festivals Premiere feiern werden.

Warum haben Sie sich entschieden ein Projekt auf europäischer Ebene durchzuführen?

Als Theater arbeiten wir im Dreiländereck von Frankreich, Deutschland und der Schweiz bereits stark vernetzt mit zahlreichen Partnern aus dem Kulturbereich, dem sozialen Sektor, mit Schulpartnern, Städten und Gemeinden, um jährlich bis zu achtzig Einzelprojekte für ca. 4.000 Teilnehmende zu planen und durchzuführen. Dabei liegt der Fokus im Bereich Ausbildung, Fortbildung und Konzeption künstlerischer Formate zusammen mit zahlriechen Netzwerkpartnern. Tempus fugit ist ein Theater für Alle. Wir agieren bereits an vielen unterschiedlichen Orten in Lörrach, der Region und über die Grenzen des Dreiländerecks hinweg. Die Anfrage des italienischen Projektträgers "Commune di Certaldo", ob sich Tempus fugit als Projektpartner an "Mysteries and Drolls" beteiligen wolle, knüpfte daher konzeptionell an Arbeitsweise und Ziele unseres Theaters an. Im Austausch über europäische Landesgrenzen hinweg sehen wir eine einmalige Chance andere, spannende künstlerische Arbeitsweisen kennenzulernen, unsere eigene Arbeit vorzustellen und langfristige Kooperationen aufzubauen.

Was raten Sie künftigen Antragstellenden und/oder Partnern?

Trotz ausführlicher Informationen zu den Anforderungen bezüglich Abrechnung und Projektverwaltung erwies sich die Arbeit als umfangreicher als erwartet. In der Projektpraxis tauchen regelmäßig neue Herausforderungen auf, da Abrechnungsbestimmungen und Verwaltung den direkten, künstlerischen Austausch erschweren und die Spontaneität von künstlerischen Prozessen dadurch eingeschränkt ist.
Die Zusammenarbeit mit den Partnern erweist sich aber immer wieder als bereichernde Erfahrung für das gesamte Tempus fugit-Team. Wenn das Interesse und Engagement bei allen Partnern gleichermaßen gegeben ist, ist die Beteiligung an einem solchen europäischen Projekt ein absoluter Gewinn. Der finanzielle, organisatorische und verwaltungstechnische Aufwand muss jedoch unbedingt bei der Entscheidung berücksichtigt werden.

Erzählen Sie uns zum Projekt eine Geschichte aus dem Nähkästchen.

Karin Maßen, Theaterleiterin von Tempus fugit, über die erste „Creative Residency“ in Gliwce, Polen beim Projektpartner „Teatr A“:
Der Austausch vermittelte sich einerseits in den intensiven gemeinsamen Gesprächen über religiöse Bezüge, dem biblischen Kontext, Mythen und Überlieferungen, Grundaspekten, die sich in der Arbeit  beider Theatergruppen wiederfinden oder  auch Unterschiedlichkeiten markieren. Immer wieder kamen wir zurück zu der Fragestellung nach den Aufgaben des Theaters in der heutigen Zeit. Soll und kann das Theater Antworten geben, und wen kann es dadurch erreichen?
Eine zentrale Rolle spielte dabei auch die Frage nach der Eigenverantwortlichkeit und Verantwortung  des Theaters gegenüber einem Publikum, das sich an öffentlichen Orten, auf der Straße oder auch an anderen öffentlichen Orten, wie zum Beispiel in Kirchen und Kathedralen, Schulen wiederfindet.
Durch Bildmaterial, Videos und durch den mehrmaligen Besuch in dem Requisitenlager und dem Kostümfundus des Teatr A  wurde die künstlerische und konzeptionelle Ausrichtung  des Gastgeberensembles hautnah spürbar. Deutlich wurde die Energie, die Regie, Kostüm- und Bühnenideen so eindrücklich bestimmen. Hier wurde erlebbar wie bildmächtig dieses Theater arbeitet und wieviel Detailarbeit in der Gestaltung von Kostüm und Bühne steckt. Der Besuch in dem großen Lager außerhalb der Stadt, das Kennenlernen der Spiel, - und der öffentlichen Aufführungsorte ließ uns eintauchen in die Geschichte und in die Geschichten dieses Theaters.

Freies Theater Tempus fugit e.V.
Lörrach
Karin Maßen
Tel.: +49 (0) 7621 / 157840
E-Mail: k.maßen[at]fugit[punkt]de

Zur Projektwebsite