Fabulamundi. Playwriting Europe - Crossing Generations

Projektkoordination: Pav Snc Di Claudia di Giacomo e Roberta Scaglione (IT)
Partner:
 Theater an der Parkaue (DE) /// Teatro i Soc Coop Arl (IT) /// Teatrul Odeon (RO) /// Teatrul National Tirgu-Mures (RO) /// Rato Diffusion (FR) /// Interkulturelles Theaterzentrum Berlin e.V. (DE) /// Fundacio sala Beckett/Obrador Internacional de Dramaturgia (ES) /// La Mousson d'été (FR) /// Associazione Culturale Area06 (IT)

Förderbereich: Kleine Kooperationsprojekte
Fördersumme:
200.000 Euro
Gesamtdauer: Mai 2015 - November 2016

Ziel des Projekts ist es, Generationen und Blickwinkel in Bezug auf Zeitgeschehen zu mischen. Dafür wird ein Text eines schon älteren italienischen Dramatikers, Antonio Tarantino (*1938), benutzt, der aus italienischer Sicht und mit ungewohnten stilistischen Mitteln (Farce, Avanspettacolo, bewusster Verfälschung historischer Fakten) ein deutsches Tabuthema beleuchtet: den Terrorismus der 70er Jahre, und speziell dazu die Schleyerentführung und die ungeklärten Umstände des Todes der Baader-Meinhof Bande in Stammheim. Um die Distanz deutlich zu machen, spielen nur italienisch stämmige Schauspieler*innen in deutscher Sprache 6 Stunden lang die über 80 Rollen des Stücks. Es wird ein Workshop im AEO-Gymnasium in Britz durchgeführt und zwei alte Laiendarsteller aus dem Theater der Erfahrungen werden als sprechende Zuschauer und Chor der Alten in die Aufführung eingegliedert. Der Blickwinkel auf die tragischen Ereignisse ist sehr verschieden bei Alten, Jugendlichen, Ausländer*innen, heutigem Publikum. Die Aufführung ist verstörend, es gibt viel Unverständnis, weitgehendes Desinteresse von Seiten der Presse. Was bleibt, ist eine gelungene Übersetzung dieses ungeheuren Textmonsters und der Eindruck, es vielleicht erneut versuchen zu müssen.

Warum haben Sie sich entschieden ein Projekt auf europäischer Ebene durchzuführen?

Die Zusammenarbeit, vor allem mit den italienischen Partnern, war die Möglichkeit, schon vorhandene Beziehungen in Berlin weiterzuführen und die im Ausland gesammelten Erfahrungen und Kontakte in eine konkrete Anwendung überzuführen. Das neu gegründete Interkulturelle Theaterzentrum Berlin, mit seinem Interesse an zeitgenössischer Dramatik und gleichzeitigem Interesse gegenüber eher theaterfremden Bevölkerungsgruppen war einverstanden damit, gemeinsam diesen Versuch zu starten.

Was raten Sie künftigen Antragstellenden und/oder Partnern?

Die Durchführung eines europäischen Projekts bedeutet eine enorme Anstrengung, vor allem auf verwaltungstechnischer Ebene. Es wäre ratsam, sich gut darauf vorzubereiten und Personal bereitzustellen, das dieser Aufgabe gewachsen ist. Dabei ist auch zu bedenken, dass der Geldzufluss in keinem Verhältnis zum realen Aufwand steht. Es ist mehr Arbeit als man denkt, und weniger Geld. Besonderes Augenmerk verdient die Kommunikation, wichtig vor allem bei ungewöhnlichen, schwer einzuordnenden Projekten. Wir haben das unterschätzt, aber dazu gelernt.

Erzählen Sie uns zum Projekt eine Geschichte aus dem Nähkästchen.

Während der Proben zu „Materialien für eine deutsche Tragödie“ stirbt Helmut Schmidt, deutsche Ikone eines rechtschaffenen Politikers. Das genaue Gegenteil der machtbesessenen dandyhaften Figur, die Shakespearschen Bösewichten nachempfunden ist, als die ihn Tarantino zeichnet.  Die historische Erinnerung, das Stück und die Berichterstattung in den Medien überlappen sich und führen zu interessanten Gesprächen, vor allem mit den beiden Alten, als Zeitzeugen der damaligen Ereignisse und jetzigen Mitwirkenden.

 

Interkulturelles Theaterzentrum Berlin e.V.
Berlin
Werner Waas
Tel.: +49 (0) 176 / 65753780
E-Mail: wernerwaas[at]hotmail[punkt]com

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