DIS-OTHERING - Beyond Afropolitan & Other Labels

Projektkoordination: Palais des Beaux Arts (BE)
Partner: SAVVY Contemporary e.V. (DE) /// Kulturen in Bewegung (AT)

Förderbereich: Kleine Kooperationsprojekte
Fördersumme: 200.000 Euro
Förderzeitraum: 2017-2019

In diesem politischen Moment, der sich – wieder einmal – durch das Verlangen definiert, einen 'Anderen' und einen Feind als Ursache für das eigene Elend von der Mikro- bis zur Makroskala zu identifizieren, lädt dieses Projekt zum Nachdenken über die notwendige Dekonstruktion der aktuell grassierenden Praktiken des 'Othering' ein.
GEOGRAPHIES OF IMAGINATION ist ein Projekt im Rahmen von DIS-OTHERING: BEYOND AFROPOLITAN AND OTHER LABELS – einer Kooperation zwischen BOZAR–Centre for Fine Arts (Brüssel), Kulturen in Bewegung (Wien) und SAVVY Contemporary (Berlin) zur notwendigen Dekonstruktion von Praktiken des ‘Othering’ in europäischen Kulturinstitutionen.
Es besteht aus einer Ausstellung, Symposien, einem Festival, Vorträgen und Performances, einem Residenzprogramm, einer Mapping-Forschung und einer Website, die sich 2018 und 2019 in Berlin, Brüssel, Wien und Warschau stattfinden. Diese unterschiedlichen Formate verbinden Künstler*innen, Gemeinschaften, Denker*innen und Menschen aus allen Lebensbereichen, um zeitgenössische Prozesse und Technologien von "Dis-Othering" zu beleuchten.

Warum haben Sie sich entschieden ein Projekt auf europäischer Ebene durchzuführen?

Wir glauben, dass viele soziale und politische Fragen, mit denen wir uns befassen, nicht nur auf unser direktes lokales und nationales Umfeld zutreffen, sondern auch auf europäischer Ebene relevant sind. Die Themen "Othering" und "Exotisieren" von Personen, die durch überholte Definitionen lokaler Identitäten als unterschiedlich wahrgenommen werden, sind hier äußerst wichtig. Für viele Menschen ist es eine alltägliche Erfahrung, zum 'Anderen' gemacht zu werden und damit eine geteilte Humanität abgesprochen zu bekommen: Unendliche Beispiele reichen von solchen Strukturen auf dem Arbeitsmarkt, von willkürlichen Polizeikontrollen bis hin zu der mittlerweile akzeptierten politischen Strategie, das Leben von Menschen zu opfern, die sich auf unsicheren Booten über das Mittelmeer zu einer besseren Zukunft aufmachen, um potentielle Anhänger abzuschrecken. Solche Strukturen machen auch vor dem Kultursektor nicht halt: Bis heute werden Künstler*innen, Kurator*innen, Denker*innen, Musiker*innen und andere kreative Menschen eingeladen, in exotisierenden Kontexten zu arbeiten, die einen rassistischen Status quo aufrecht erhalten. Dies ist es, worauf die Ausstellung Geographies of Imagination und die gesamte Idee von DIS-OTHERING reagiert.

Was raten Sie künftigen Antragstellenden und/oder Partnern?

Das Wichtigste ist, sich mit einem Thema zu beschäftigen, das für alle teilnehmenden Institutionen und die Orte, in denen sie existieren, wirklich relevant ist. Es gilt dann, Wege der Zusammenarbeit zu finden, die über eine romantisierte Vorstellung der Kollaboration hinausgehen. Eine wirkliche Zusammenarbeit muss von der Offenheit bestimmt sein, sich als Partner gegenseitig formen und gestalten zu wollen.

Erzählen Sie uns zum Projekt eine Geschichte aus dem Nähkästchen.

Strukturell sind Kooperationsprojekte zwischen verschiedenen Kulturorganisationen insofern schwierig, als dass sie ein Ungleichgewicht verstärken: Dank der Förderbedingungen werden die großen Institutionen mit struktureller Förderung unterstützt, während die kleineren Partner mit deutlich geringeren projektbezogenen Budgets auskommen müssen, obwohl gerade diese Einrichtungen strukturelle Förderung so dringend benötigen. Unter diesen Bedingungen ist es sehr schwierig, Kooperationen zu schaffen, bei denen es auch um gegenseitige Solidarität geht und nicht nur um die gleichmäßige Aufteilung der Mittel. Diese kann niemals gleich sein, wenn Organisationen nicht die gleiche Größe haben. Unser Team ist letztendlich gegenüber anderen unterbezahlt und leistet häufig mehr Arbeit. Wir hoffen, dass dieses Thema zukünftig mehr bedacht wird, da es unvermeidlich schwierige Machtstrukturen zwischen den Partnern schafft.

Savvy Contemporary e.V.
Berlin
Anna Jäger
Tel.: +49 (0) 30 / 255 63 111
E-Mail: Anna.jaeger[at]savvy-contemporary[punkt]com

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