4Cs - From Conflict to Conviviality through Creativity and Culture

Projektkoordination: Universidade Catolica Portuguesa (PT)
Partner: SAVVY Contemporary e.V. (DE) /// Vilniaus Dailes Akademija (LT) /// The Royal College of Art (UK) /// Museet for Samtidskunst (DK) /// Stiftelsen Tensta Konsthall (SE) /// Ecole Nationale Superieure des Arts Decoratifs (FR) /// Fundacio Privada Antoni Tapies (ES)

Förderbereich: Große Kooperationsprojekte
Fördersumme: 1.781.818 Euro
Gesamtdauer: 2017-2021

Die 4Cs möchten herausfinden, wie Ausbildung und Bildung in Kunst und Kultur eine Ressource für die Bewältigung von Konflikten darstellen können und gleichzeitig kreative Wege für den Umgang mit Konfliktphänomenen eröffnen können. Durch aktive Beteiligung und Koproduktion tragen sie zudem zur Publikumsentwicklung bei. Das Projekt zielt darauf ab, den konzeptionellen Rahmen des interkulturellen Dialogs voranzutreiben und die Rolle öffentlicher Kunst- und Kulturinstitutionen bei der Förderung des Zusammenlebens durch kulturelle Vielfalt und interkulturelle Begegnungen zu stärken. Erreicht werden soll dies durch die Schaffung und Entwicklung verschiedener Aktivitäten wie Ausstellungen, künstlerische und Forschungsaufenthalte, Filmvorführungen, Mediationslabors, Workshops, Konferenzen, Publikationen, eine Online-Plattform und mehr erreicht Sommerschule. Insbesondere haben die 4Cs zum Ziel, den Herausforderungen von Migration, Sicherheit und Meinungsfreiheit zu begegnen, indem sie das Bewusstsein für die Rolle kreativer und kultureller Arbeit bei der Stärkung der europäischen Identität und der europäischen Bürgerschaft stärken.

Warum haben Sie sich entschieden ein Projekt auf europäischer Ebene durchzuführen?

Das Projekt wurde bewusst konzipiert, um Praktiken der Gastfreundschaft in Europa aus historischer Perspektive und aus der aktuellen Situation heraus zu analysieren und zu reflektieren. In einer Zeit blühender Ressentiments und Antipathien gegen alles, was konzeptuell oder physisch "fremd" erscheint, in einer Zeit rechtspopulistischer Politik, weißer Nationalismen, rassistischer und fremdenfeindlicher Demagogien, die in ganz Europa auftauchen, drängten wir darauf, mit Künstler*innen, Wissenschaftler*innen, Aktivist*innen, Kulturschaffenden und vielen anderen zusammenzuarbeiten, die bereit waren, Fragen von nationaler Identität und Grenzpolitiken zu hinterfragen.
Die Idee zu diesem Projekt entstand im Mai 2015, als Dirk Schümer in der Welt einen Artikel mit dem Titel „Europa ist eine Festung – und muss das auch bleiben“ veröffentlicht hatte. Nach aufmerksamer Lektüre vieler der Tausenden von Kommentaren, die den Artikel online begleiteten, nahmen wir uns vor, die Rhetorik und Politik einer solchen Kultur der (Gast-)Unfreundlichkeit in Europa zu analysieren und zu versuchen, die Ursachen dieser feindseligen Symptome in der Gastfreundschaft zu hinterfragen. Dabei wollten wir aktuelle Beispiele in Südafrika, Griechenland, USA oder Deutschland betrachten. Wie können wir Kulturen von Gastfreundschaften in einer solchen Ära überdenken, artikulieren und neu konzipieren? Als angemessener Ausgangspunkt für eine solche Übung schien uns Jacques Derridas Begriff der „Hostipitality,“ mit dem er auszudrücken sucht, dass es in allen Formen des Gastgebens und der Gastfreundschaft immer eine Art Feindseligkeit gibt.

Was raten Sie künftigen Antragstellenden und/oder Partnern?

Unser EU-Projekt ist noch nicht abgeschlossen. Wir waren der erste Projektraum und Partner, der ein Projekt (Ausstellung und Konferenz) im Rahmen des vierjährigen Programms durchführte. Der Eindruck, den wir zu diesem frühen Zeitpunkt haben, ist, dass es uns gut gelungen ist, Gespräche und Momente der Interaktion und des gemeinsamen Denkens zwischen Partnerräumen umzusetzen. Wir scheinen alle sehr in das Konzept und den Diskurs rund um das Projekt involviert zu sein und über die Möglichkeiten nachzudenken, wie wir eine Veränderung „von Konflikten hin zu Geselligkeit“ bewirken können. Was noch aussteht, ist der Austausch darüber, wie wir kollektive Praktiken und Strategien weiterentwickeln und umsetzen können.

Erzählen Sie uns zum Projekt eine Geschichte aus dem Nähkästchen.

Strukturell sind Kooperationsprojekte zwischen verschiedenen Kulturorganisationen insofern schwierig, als dass sie ein Ungleichgewicht verstärken: Dank der Förderbedingungen werden die großen Institutionen mit struktureller Förderung unterstützt, während die kleineren Partner mit deutlich geringeren projektbezogenen Budgets auskommen müssen, obwohl gerade diese Einrichtung strukturelle Förderung so dringend benötigen. In diesen Bedingungen ist es sehr schwierig, Kooperationen zu schaffen, bei denen es auch um gegenseitige Solidarität geht und nicht nur um die gleichmäßige Aufteilung der Mittel. Diese kann niemals gleich sein, wenn Organisationen nicht die gleiche Größe haben. Unser Team ist letztendlich gegenüber anderen unterbezahlt und leistet häufig mehr Arbeit. Wir hoffen, dass dieses Thema zukünftig mehr bedacht wird, da es unvermeidlich schwierige Machtstrukturen zwischen den Partnern schafft.

Savvy Contemporary e.V.
Berlin
Anna Jäger
Tel.: +49 (0) 30 / 25563111
E-Mail: anna.jaeger[at]savvy-contemporary[punkt]com

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