Kulturhauptstadt Europas

Seit der ersten Ausrichtung im Jahr 1985 in Athen erfreut sich die KULTURHAUPTSTADT EUROPAS großer Beliebtheit. Die Kulturhauptstadt bietet eine hervorragende Möglichkeit, die Vielfalt des kulturellen Reichtums in Europa und das, was uns als Europäer miteinander verbindet, in den Vordergrund zu rücken.

Ziele

  • Reichtum und Vielfalt der Kulturen Europas hervorheben
  • Hervorhebung der Gemeinsamkeiten
  • Stärkung des Zugehörigkeitsgefühls von Europäern zu einem gemeinsamen Kulturraum
  • Stärkung des Beitrags von Kultur zur Stadtentwicklung

Die Erfahrung hat gezeigt, dass der Titel eine gute Gelegenheit sein kann, um…

  • Städte wiederzubeleben
  • das internationale Profil der Städte zu stärken
  • das Image der Einwohner ihrer eigenen Stadt zu verbessern
  • der Kultur der Stadt neues Leben einzuhauchen
  • Tourismus zu stärken

Die von der EU hierfür gewährten Zuschüsse kommen aus dem jeweiligen Kulturförderprogramm, aktuell KREATIVES EUROPA. Die teilnahmeberechtigten Staaten haben festgelegt, in welchem Jahr welches Land einer Stadt den imagefördernden Titel "KULTURHAUPTSTADT EUROPAS" verleihen darf. Da dieser Titel als lang etablierte Marke stets große Aufmerksamkeit auf sich zieht, bemühen sich die europäischen Städte in der Regel intensiv darum.

Bis 2019 wird die Reihenfolge durch den Beschluss Nr. 1622/2006/EG geregelt. Damit die Initiative ab 2020 weitergeführt werden kann, hat am 12. Dezember 2013 das Europäische Parlament über eine Neuregelung der Vergabe des Titels „KULTURHAUPTSTADT EUROPAS“ abgestimmt. Der Ministerrat hat am 24. März 2014 den überarbeiteten Vorschlag der EU-Kommission zur Weiterführung der Initiative "KULTURHAUPTSTÄDTE EUROPAS" angenommen, der die Vergabe des Titels für die Jahre 2020 bis 2033 regelt. Neuerdings dürfen alle drei Jahre auch Städte aus Kandidatenländern oder potenziellen Kandidatenländern den Titel "KULTURHAUPTSTADT EUROPAS" tragen.

Auf der Internetseite der Generaldirektion Bildung und Kultur der Europäischen Kommission erfahren Sie mehr.

Hintergrund

Der Vorgänger der Initiative KULTURHAUPTSTADT EUROPAS wurde 1985 unter dem Titel EUROPÄISCHE KULTURSTADT ins Leben gerufen. Umbenannt wurde sie im Jahr 1999 durch Beschluss Nr. 1419/1999/EG, der die rechtliche Grundlage der heutigen Initiative bildet. Mit ihm haben das Europäische Parlament und der Ministerrat 1999 festgelegt, in welcher Reihenfolge die Mitgliedstaaten eine Kulturhauptstadt Europas stellen. Hier wurde bereits vorgesehen, dass zusätzlich eine Stadt aus einem Nicht-Mitgliedstaat bestimmt werden kann.

Um auch den 2004 der EU beigetretenen mittel- und osteuropäischen Ländern eine Teilnahme zu ermöglichen, gab es eine Änderung durch Beschluss Nr. 649/2005/EG. So werden nun mindestens zwei Kultur­haupt­städte pro Jahr benannt, je eine aus den alten und neuen Mitgliedstaaten.

Zur weiteren Verbesserung des Auswahlprozesses wurde am 24. Oktober 2006 ein weiterer Beschluss angenommen (1622/2006/EG). Der Beschluss soll die europäische Dimension stärken, den Wettbewerb zwischen Bewerberstädten innerhalb der Mitgliedstaaten fördern und die ausgewählten Städte in ihrer Vorbereitungsphase stärker unter­stützen.

Studien und Berichte

European Capitals of Culture. 30 years, hrsg. von der Europäischen Kommission, Generaldirektion Bildung Kultur (2015)

Kulturhauptstädte Europas: Erfolgsstrategien und langfristige Auswirkungen, hrsg. vom Europäischen Parlament, Generaldirektion Interne Politikbereiche, Fachabteilung: Struktur- und Kohäsionspolitik (2013)

Summary of the European Commission conference "Celebrating 25 years of European Capitals of Culture", Brussels, 23-24 March 2010

European Capitals of Culture: the road to success. From 1985 to 2010, hrsg. von der Europäischen Kommission (2009)

European Cities and Capitals of Culture 1995-2004. Study prepared for the European Commission Part I and Part II (Palmer Report), erstellt von Palmer/Rae Associates im Auftrag der Europäischen Kommission (2004)

(Ko-)Finanzierung

Durch das Programm KREATIVES EUROPA leistet die EU finanzielle Unterstützung für die Kulturhauptstädte Europas. Für jede Kultur­hauptstadt Europas sind 1,5 Mio. Euro aus dem Programm KREATIVES EUROPA vorgesehen, die in Form des "Melina Mercouri Preises" an die ausgewählten Städte vergeben werden.

Die gemeinschaftliche Beihilfe darf max. 60% des Gesamtbudgets für das ein­gereichte Projekt betragen. Investitionskosten werden nicht bezuschusst.

Aus den Haushaltsmitteln anderer gemeinschaftlicher Politikbereiche, wie etwa der Kohäsionspolitik (Strukturfonds) kann Unterstützung für z.B. Stadtentwicklung gewährt werden.

Auf Synergien zwischen dem Programm KREATIVES EUROPA und der "Kulturhauptstadt Europas" wird großer Wert gelegt. Kulturveranstalter, die mit ihren europäischen Kooperationsprojekten an der "Kulturhauptstadt­ Europas" mitwirken möchten, haben die Möglichkeit, dafür Beihilfen aus dem Teilprogramm KREATIVES EUROPA / KULTUR zu erhalten, sofern sie die entsprechenden Anforderungen erfüllen und über die Kulturhauptstadt keine weiteren EU-Mittel ins Projekt fließen. Nationale Projekte mit Bezug zur "Kulturhauptstadt Europas" werden im Programm KREATIVES EUROPA nicht gefördert.

Auswahlverfahren für Städte ab 2020

Mindestens sechs Jahr vor dem Kulturhauptstadt-Jahr veröffentlicht der betreffende Mitgliedstaat eine Aufforderung zur Einreichung von Bewerbungen, die sich an alle Städte wendet, die an der Ausrichtung interessiert sind. In der Regel sind in Deutschland die Bundesländer (Kultusministerien) dafür zuständig.

Auf Grundlage dieser Bewerbungen führt eine europäische Expertenjury fünf Jahre vor dem Kulturhauptstadt-Jahr eine Vorauswahl durch. Die Jury umfasst 10 Mitglieder, die vom Europäischen Parlament (ernennt 3 Mitglieder), dem Rat der Europäischen Union (ernennt 3 Mitglieder), der Europäischen Kommission (ernennt 3 Mitglieder) und dem Ausschuss der Regionen (ernennt 1 Mitglied) eingesetzt wird.

Mit der Vorauswahl wird ein Vorauswahlbericht erstellt, der Empfehlungen an die Bewerberstädte für die nächste Runde richtet. Nach Überarbeitung ihrer Bewerbungen senden die vorausgewählten Städte diese ihrem jeweiligen Mitgliedstaat zu, woraufhin sich die Expertenjury auf eine Stadt als Kandidat für die Kulturhauptstadt Europas einigt. Nach der offiziellen Verleihung des Titels "KULTURHAUPTSTADT EUROPAS" werden die ausgewählten Städte bei ihren weiteren Vorbereitungen durch die europäische Jury begleitet.

Kulturhauptstädte 1985-2021

1985: Athen (GR)
1986: Florenz (IT)
1987: Amsterdam (NL)
1988: Berlin (DE)
1989: Paris (FR)
1990: Glasgow (UK)
1991: Dublin (IR)
1992: Madrid (ES)
1993: Antwerpen (BE)
1994: Lissabon (PT)
1995: Luxemburg (LU)
1996: Kopenhagen (DK)
1997: Thessaloniki (GR)
1998: Stockholm (SE)
1999: Weimar (DE)
2000: Avignon (FR), Bergen (NO), Bologna (IT), Brüssel (BE), Helsinki (FI), Krakau (PL), Prag (CZ), Reykjavik (IS), Santiago de Compostela (ES)
2001: Rotterdam (NL) und Porto (PT)
2002: Brügge (BE) und Salamanca (ES)
2003: Graz (AT)
2004: Genua (IT) und Lille (FR)
2005: Cork (IR)
2006: Patras (GR)
2007: Luxemburg (LU) und Sibiu (RO)
2008: Liverpool (UK) und Stavanger (NO)
2009: Linz (AT) und Vilnius (LT)
2010: Essen für das Ruhrgebiet (DE), Pécs (HU) und Istanbul (TR)
2011: Turku (FI) und Tallinn (EE)
2012: Guimaraes (PT) und Maribor (SI)
2013: Marseille (FR) und Kosice (SK)
2014: ­Umea (SE) und Riga (LT)
2015: Mons (BE) und Pilsen (CZ)
2016: Breslau (PL) und San Sebastian (ES)
2017: Aarhus (DK) und Pafos (CY)
2018: Leeuwarden (NL) und Valletta (MT)
2019: Matera (IT) und Plowdiw (BG)
2020: Rijeka (HR) und Galway (IE)
2021: Timisoara (RO), Elefsina (GR) und Novi Sad (RS)

Auswahlverfahren Kulturhauptstadt in Deutschland 2010

Bennenung durch die Bundesländer

17 deutsche Städte hatten ihre Kandidatur für den Titel "Kulturhauptstadt Europas 2010" bis März 2004 bei dem für Kultur zuständigen Ministerium des entsprechenden Bundeslandes eingereicht. Die Bewerbungen beinhalteten z.T. umfangreiche Konzept für eine integrierte kulturelle Stadtentwicklung.

Am 22. Juni 2004 haben die Bundesländer jeweils entschieden, welche Bewerbungen sie an das Auswärtige Amt weiterleiten. 10 Städte wurden ausgewählt:

  • Braunschweig
  • Bremen
  • Essen für das Ruhrgebiet
  • Görlitz
  • Halle an der Saale
  • Kassel
  • Potsdam
  • Regensburg
  • Karlsruhe
  • Lübeck

Diese Kandidaten wurden im Oktober 2004 vom Auswärtigen Amt an den Bundesrat zur Stellungnahme weitergeleitet. Der Bundesrat hat 2005 seinerseits die Kultusministerkonferenz (KMK) der Länder um ein Votum gebeten. Dieser Bitte ist die KMK durch die Einsetzung einer nationalen Jury nachgekommen.

Entscheidung der nationalen Jury

Die nationale Jury wählte am 10. März 2005 unter den zehn Bewerberstädten Essen für das Rurhgebiet und Görlitz/Zgorzelec.

Pressemitteilung der KMK

Entscheidung der internationalen Jury

Essen für das Ruhrgebiet, Pécs und Istanbul

Am 11. April 2006 hat die Europäische Kommission das Votum der internationalen Jury für die KULTURHAUPTSTÄDTE EUROPAS im Jahr 2010 bekanntgegeben: Die Bewerbung Essens für das Ruhrgebiet hat den Mitbewerber, das deutsch-polnische Städteduo Görlitz/Zgorzelec, ausgestochen.

Zugleich sprach sich die Jury für die Ernennung der ungarischen Stadt Pécs zur KULTURHAUPTSTADT EUROPAS 2010 aus, die unter sieben Bewerbern ausgewählt worden war. Als zusätzliche Kulturhauptstadt aus einem Nicht-Mitgliedstaat hatten sich die türkische Stadt Istanbul und die ukrainische Hauptstadt Kiew beworben. Istanbuls Bewerbung wurde von der siebenköpfigen Jury in Brüssel bevorzugt.

Bericht der Jury

Offizielle Entscheidung des Kulturministerrats 2006

Auf Empfehlung der Kommission, die unter Berücksichtigung der Stellungnahme des Europäischen Parlaments und des Berichts der internationalen Jury erstellt wurde, hat der Rat im Herbst 2006 offiziell die drei Bewerber Essen für das Ruhrgebiet in Deutschland, Pécs in Ungarn und Istanbul in der Türkei für das Jahr 2010 als Kulturhauptstädte Europas benannt.

Beschluss des Rates