Europäisches Kulturerbe-Siegel

Das Europäische Kulturerbe-Siegel ist eine europäische Initiative, mit der Kulturerbestätten ausgezeichnet werden, die die europäische Einigung sowie die Ideale und die Geschichte der EU in besonderer Weise symbolisieren und verdeutlichen.

Seit 2014 wird das Europäische Kulturerbe-Siegel durch das Programm KREATIVES EUROPA gefördert. 2006 wurde der Vorgänger unter gleichem Namen als zwischenstaatliche Initiative mit dem Ziel ins Leben gerufen, die EU den EU-Bürgern durch Verbesserung der Kenntnisse über die europäische Geschichte und die Rolle und Werte der EU näher zu bringen. 2011 gab es hierzu einen Beschluss des Europäischen Parlaments und des Rats. Die erste Auswahl erfolgte 2013.

Im Einzelnen ist Folgendes vorgesehen:

  • Benennung von Stätten, die eine Schlüsselrolle in der Geschichte der Europäischen Union gespielt haben;
  • Auswahl der Stätten weniger aufgrund ihrer Schönheit oder ihrer architektonischen Qualität, sondern wegen ihres symbolischen Wertes für Europa;
  • Aufklärung über das gemeinsames Kulturerbe, die Geschichte Europas, das europäische Aufbauwerk und die zugrunde liegenden demokratischen Werte und Menschenrechte;
  • Förderung der Zusammenarbeit zwischen Stätten und Fachleuten zum Austausch von Erfahrungen und über besonders bewährte Projekte;
  • Förderung des Kulturtourismus und damit Steigerung des wirtschaftlichen Nutzens.

Auswahlverfahren

Bewerberstätten müssen ein Projekt vorlegen, das spätestens zum Ende des Jahres der Zuerkennung umgesetzt werden muss und das u.a. für die europäische Bedeutung der Stätte sensibilisiert sowie die Attraktivität und Ausstrahlung der Stätte unterstützt.

Die Auswahl der Stätten erfolgt in zwei Etappen:

Vorauswahl auf nationaler Ebene:

  • Jedes EU-Land kann alle zwei Jahre bis zu zwei Stätten in die Vorauswahl aufnehmen.
  • Die Mitgliedstaaten übermitteln der Kommission die Bewerbungsformulare für die in der Vorauswahl berücksichtigten Stätten.
  • Die Kommission veröffentlicht eine vollständige Liste der in der Vorauswahl berücksichtigten Stätten.

Auswahl auf EU-Ebene:

  • Es wird eine europäische Jury aus 13 unabhängigen Experten eingerichtet, die die Auswahl und Kontrolle auf europäischer Ebene durchführt.
  • Die europäische Jury prüft die Bewerbungen und gibt Empfehlungen dazu ab, welchen Stätten das Siegel zuerkannt werden soll (höchstens eine Stätte pro Land).
  • Die Kommission benennt unter Berücksichtigung der Empfehlungen der europäischen Jury die Stätten, denen das Siegel zuerkannt wird.

Zum Start des Europäischen Kulturerbe-Siegels konnten die Mitgliedstaaten mehrere Stätten nominieren. Ab 2015 kann jeder Mitgliedstaat alle zwei Jahre maximal zwei Stätten vorschlagen, wovon jeweils eine Stätte durch die europäische Jury ausgewählt wird.

Die Europäische Kommission stellt weitere Informationen zum Bewerbungsverfahren bereit. mehr

Bewerbungen aus Deutschland

Die Kultusministerkonferenz hat das nationale Auswahlverfahren festgelegt:

  • Einreichung der Bewerbungen bei den jeweils zuständigen Landesministerien bzw. Senatsverwaltungen für Kultur
  • Prüfung der Bewerbungen durch ein Expertengremium, das von der KMK beauftragt wird und den Kulturausschuss der KMK
  • abschließende Entscheidung über die Vorauswahl deutscher Stätten durch die Amtschefskonferenz/das Plenum der Kultusministerkonferenz

Stätten in Deutschland können für das Nominierungsjahr 2017 wieder vorgeschlagen werden.

Weitere Informationen zum Auswahlverfahren in Deutschland bei der Kultusministerkonferenz

Sekretariat der Kultusministerkonferenz (KMK)

Referat IV
Taubenstraße 10
10117 Berlin
Tel.: 030/25418 428
E-Mail: europa(at)kmk.org

Referat III D/Kunst und Kultur
Graurheindorfer Straße 157
53117 Bonn
Tel.: 0228/501 670
E-Mail: kultur(at)kmk.org




Ausgewählte Stätten in Deutschland

Hambacher Schloss

Das Hambacher Schloss erhielt herausragende Bedeutung im 19. Jahrhundert. Nach einer Zeit politischer Unterdrückung, kamen rund 30.000 Menschen aus Deutschland, Frankreich und Polen dort zusammen, um am 27. Mai 1832 das Hambacher Fest zu feiern. Die Teilnehmer sprachen dabei über Grundrechte und politische Freiheit, Gleichberechtigung, Toleranz und Demokratie in Deutschland und Europa. Damit wurde das Hambacher Schloss zu einem Symbol für den Kampf um bürgerliche Freiheiten in Europa. mehr

Münster und Osnabrück

Münster und Osnabrück waren die Verhandlungsorte des Westfälischen Friedens, der zur Beendigung des Dreißigjährigen Krieges führte. Der in den Rathäusern von Osnabrück und Münster auf dem Verhandlungswege geschlossene Westfälische Frieden legte erste Grundlagen für eine europäische Staatengemeinschaft. Die Friedensverträge entwickelten sich zu einer Säule internationaler Beziehungen, die noch heute von großer Bedeutung sind. mehr